Ein Hut, ein Stock, ein…

Regenschirm ….

Sicherlich kennen einige dieses Teenispiel von früher. Alle Freundinnen haken sich untereinander ein und dann geht es strammen Schrittes nach vorne. Man zählt und eins, und zwei, und drei……..und neun, und zehn, ein Hut ein Stock, ein Regenschirm und vorwärts, rückwärts, seitwärts ran, in die Hocke, hoch das Bein usw..

Ja, das war wirklich witzig und hat Spaß gemacht!!! 🙂

Heute heißt es für mich: 

Ein Hut, ein Stock und noch ein Stock und noch ein Hilfsmittel mehr. Das macht nicht immer Spaß, aber ist manchmal auch schon irgendwie lustig, da die Hilfsmittel immer mehr werden und ich mittlerweile als Rehaberaterin im Sanitätshaus anfangen könnte.

Ein Hut, ein Stock...

Den eigentlichen Start machten meine Walkingstöcke. Diese habe ich geschickt in Szene gesetzt, um ja mein Handicap, meine Unsicherheit zu vertuschen. Oft wurde ich gefragt, ob ich einen Skiunfall hatte. 🙂 Tarnen und täuschen hat anscheinend sehr gut geklappt.    Bis zu dem Tag, an dem ich meinen Schwager in Berlin getroffen habe. Ein Schub war im Anmarsch und ich  konnte ihn nicht täuschen. Ganz im Gegenteil. Er hat täglich mit Gehandicapten zu tun, denn er hat für diese einen mobilen Fahrservice in Berlin.  Rollmops. 😉

Auf jeden Fall hat er gesagt:“ Mimi (so nennen mich meine süßen Neffen), mach dir das Leben doch nicht unnötig schwer und besorg dir mal einen richtigen, anatomischen Gehstock. Du tust dich leichter und es tut auch gar nicht weh.“ Gesagt, getan. Also habe ich in den Niederlanden ein Sanitätshaus angesteuert und mir den ersten Stock mit anatomischem Griff zugelegt. Ein bockhässliches Teil sage ich euch, aber er hat seinen Zweck erfüllt. Es ging wirklich leichter und ich war sicherer, natürlich auch ein wenig froh.   Die Umsturzgefahr war fürs Erste gebannt.

Wie sich später rausstellte, war das der falsche Stock, da meine schlechtere Seite links ist und man soll ja genau entgegengesetzt den Stock einsetzen, aber das war mir erst einmal wumpe. 😉

Mittlerweile habe ich aufgerüstet und mir für die rechte Seite einen chicen, eleganten, ausklappbaren Carbon-Teleskopstock in schwarz gekauft. Sehr leicht und trotzdem stabil. Zumindest fällt jetzt tarnen und täuschen flach. Warum?

Weil ich jetzt eh bescheiden gehe und niemand wirklich mehr an einen Skiunfall denkt. 😉

Weil ich zu meinen Hilfsmitteln stehe, denn ohne sie würde vieles nicht mehr gehen.

Auch wenn es mir schwer gefallen ist das Hilfsmitteltor zu öffnen, ich habe es in mein Leben gelassen, ganz langsam und was soll ich Euch sagen…  es tut wirklich nicht weh. Die Tür schlage ich definitiv nicht mehr zu, denn es ist toll, dass es sie gibt!

Ansonsten würden wir nur noch im Haus sitzen und wie die Ölgötzen aus dem Fenster starren und wer will das schon.

Ich auf jeden Fall nicht und ich hoffe, Ihr auch nicht.

Deine Christine!

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19 Gedanken zu “Ein Hut, ein Stock, ein…

  1. Liebe Christine,
    ich bin gerade erst auf deinem Blog gelandet, du hast mich wohl zuerst gefunden :-). Ich finde du hast eine ganz inspirierende, offene und mutige Art mit deiner MS und allen Einschränkungen umzugehen. Ich habe meine MS erst seit 4 Jahren und bisher verläuft sie ohne große körperliche Einschränkungen. Ich hatte bisher 3 Schübe im linken Bein aber zum Glück sind die Auswirkungrn bis jetzt immer wieder komplett zurück gegangen. Wenn das aber nicht mehr so ist dann macht mir deine Seite Mut! Die Reha-Adresse werde ich mir definitiv schonmal merken 😉
    Mach weiter so!
    Alles Liebe,
    Alex

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    1. Liebe Alex,
      das freut mich wirklich sehr und ich freue mich total über Dein Lob. Der Quellenhof ist wirklich sehr gut, dort wird einem sehr gut geholfen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall eine lange, gute und wenn es geht, schubfreie Zeit, herzliche Grüße, Deine Christine!

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  2. Claudia Lampe

    Mein Mann ist auf diesen Blog gestoßen und da ich mich in vielen Dingen selber erkenne, macht es sehr viel Mut einfach mit Hilfsmitteln weiter zu machen.
    Zu meinem Arsenal gehört auch der Rolli, der kopfmäßig eine grosse Hürde war.
    Die erst Begegnung mit dem privaten Porsche war auf Mallorca. Ich habe noch gesagt:
    Sorry Schatz. Jetzt musst du mich auch noch durch die Gegend schieben.
    Seine total süße Antwort: Sieh einfach nur gut aus, den Rest mache ich.
    Das hat mir wieder Mut gemacht und auch ich konnte so durch die kleinen Städtchen rollen und Mallorca genießen.

    Immer das Beste aus der Situation machen!!!!

    Liebe Grüße
    Claudia

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    1. Hallo Claudia,
      das kann ich mir gedanklich sehr gut vorstellen und das ist wirklich die richtige Einstellung. Mallorca ist wirklich schön und wenn man richtig gerüstet ist, dann fluppt es auch, ist nicht krampfig und macht trotz Rolli auch noch Spaß. Der erste Schritt, das Hilfsmittel Rolli anzunehmen, fällt bestimmt vielen schwer, aber die meisten Ms ler empfinden dann eine große Erleichterung. Ich auch. Du hast eine tollen Mann!!! Liebe Grüße zurück, Deine Christine! 😉

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  3. Liebe Christine, aufmerksam verfolge ich deinen Blog. Ich lese, was du schreibst und werde nachdenklich und werde traurig und werde fröhlich und werde interessiert und werde aufmerksam und werde glücklich und werde und werde und werde. Und dann denke ich, wie schön. dass ich dich, wenn auch nur ein ganz kleines bisschen, kennen darf. Ich stelle mal eben meinen Stock, an dem wir Glücklichen manchmal glauben zu gehen, zur Seite und ziehe meinen Hut vor dir: voller Demut, voller Respekt und voller Erwartung, was für Gutes du uns noch schreibst.

    Liebe Grüße
    Frank

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    1. Lieber Frank,

      vielen, vielen Dank für so ein schönes Feedback. Ich habe lange überlegt diesen Blog zu starten, hey, aber warum eigentlich nicht. Vielen von uns ergeht es so, die Läufer bzw. Gesunden schauen oft nicht hin, nehmen es nicht wahr. Mein Wunsch ist es, durch diesen Blog, ein wenig Licht und Klarheit in den MS Dschungel zu bringen und wenn ich dann so ein schönes Feedback bekomme, dann hat es sich doch schon gelohnt.

      Vielen, lieben Dank dafür, herzliche Grüße zurück,

      Deine Christine! 😉

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  4. Heike

    Oftmals sind es gerade die Personen im nahen Umfeld, die ein Problem damit haben, uns mit einem Hilfsmittel zu akzeptieren! Daher ist es von Vorteil dieses Hilfsmittel bei „Gleichgesinnten“, z.B. in einem Kontaktkreis oder während einer Reha auszuprobieren. Im Gespräch erfährt man dann auch gleich Vor- oder Nachteile und kann das passende für sich ein wenig leichter finden.
    Wenn man dann erst spürt, wieviel leichter eine Situation wird, dann hat man schon die erste Hürde genommen Der Weg ist das Ziel..Kopf hoch, Augen zu und durch. Je eher man akzeptiert, umso leichter wird der Alltag!
    Also ran, die Auswahl ist groß!!!
    Liebe Grüße, Deine Heike

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  5. Fettnapftante

    Vom Kinderwagen zu den Stützrädern, von den Stützrädern zu den Schwimmflügeln, Hilfsmittel begleiten uns ja schon von Anfang an. Ich finde es schlimm, das Menschen so negativ damit umgehen. Man entwickelt sich doch gerade mit Hilfsmitteln weiter. Sagt ja schon der Name 🙂 Hilf-s-mittel und Hilfe ist immer gut. 🙂

    Gefällt 2 Personen

      1. Fettnapftante

        Stimmt … Wobei eine Brille in der Kindheit auch schon ein Grund für Mobbing war. Deswegen habe ich Sie nie aufgezogen, da war ich aber noch nicht so schlau wie heute 🙂

        Gefällt 2 Personen

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