Körner sparen

… das ist ein großes Thema bei und mit MS.

Ein Korn ist schnell …

… verschossen und ich rede hier nicht von einem Weizenkorn, nein, ich meine unsere Energiekörner, die wir uns tagtäglich wirklich sehr, sehr gut einteilen müssen, denn wir können nicht mehr aus den Vollen schöpfen….

In meiner Reha-Anfangsphase habe ich die Welt nicht mehr verstanden. Humpelnder Weise und völlig erschöpft habe ich mich mit meinem Stock zu den Therapien und zum Speisesaal geschleppt mit dem Ergebnis, dass ich völlig erledigt war und schlussendlich eines Abends fast alleine in diesem bei Wasser und Käsebrot saß.

Was ist passiert? Viele meiner „Mitinsassen“ haben sich mit ihrem Rollstuhl auf den Weg zur nächsten Pizzeria gemacht, denn dort war der legendäre Pizzatag. 😉

Die meisten Rehakollegen konnten zwar noch ein Stück weit besser gehen, als ich es zu diesem Zeitpunkt konnte, aber trotzdem war der Weg, auch für diese MS-Patienten, einfach zu weit und glaubt mir, ich wäre sehr gerne dabei gewesen und hätte liebend gerne eine Pizza Hawaii verspeist, aber wie sollte das bitteschön gehen?

Was ist passiert? Haben alle eine Spontanheilung erfahren und ich hatte diese große Chance verpaßt?

Ich habe tatsächlich die Welt 🌍 nicht mehr verstanden und am nächsten Tag einfach mal nachgefragt, was da los war.

Die Antwort kam prompt, knapp und unmissverständlich aber zwischenzeitlich völlig verständlich. 🙂

Wir MS Patienten haben täglich nur eine gewisse Anzahl an Energiekörnern zur Verfügung. Starten wir kraftraubende Aktionen, wie z. B. mit unbändigem Ehrgeiz alle Strecken zu Fuß zurücklegen zu wollen (ja, auch ich war so eine Kandidatin), ist ein großer Batzen an Körnern verschossen und man ist körperlich nicht wirklich in der Lage nachmittags noch irgendetwas auf die Kette zu bekommen.

Deshalb haben viele MS Patienten einen Rollstuhl, da sie sich genau überlegen müssen, wo verschieße ich meine Körner, mein Energiepulver. Lohnt es sich tatsächlich den mühsamen Weg in die Pizzeria per pedes zu bestreiten, damit man dann völlig erledigt den Abend nicht mehr genießen kann und auf allen Vieren zurückgekrochen kommt oder genießt man lieber den Abend und spart sich die Körner für evtl. einen kurzen Absacker auf?

Ich will damit nicht sagen, strengt euch nicht mehr an und setzt euch sofort in den Rollstuhl. Nein, ganz das Gegenteil ist der Fall. Ich will damit sagen, plant euren Alltag, setzt eure Energiekörner richtig dosiert und gezielt ein, nehmt Hilfsmittel an, denn dafür sind sie da, damit ihr immer noch Spaß am Alltag habt.

Wer mir auf Instagram folgt, hat vielleicht in den Stories gesehen, dass ich des Öfteren in der Westfalenhalle in Dortmund unterwegs war und auch wenn das alles immer so locker, flockig leicht aussieht, muss ich sagen…. nur durch gute Planung, genügend Pausen ist das möglich. 🙂

 

Eine gute Planung für meine Aktivitäten ist das A und O, sowie Ruhephasen bzw. Ruhetage. Der Speicher muss immer wieder gut aufgeladen werden, damit es danach wieder weitergehen kann…

Wie ich das ganz genau mache, zeige ich euch anhand verschiedener Beispiele in einem der kommenden Beiträge.

Und was macht IHR, um Körner zu sparen?

In diesem Sinne, viel Spaß und eine energiereiche Zeit wünscht,

Deine Christine!

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36 Gedanken zu “Körner sparen

  1. Pingback: Stolz mit MS! – Deine Christine!

    1. Liebe Priska,
      ich denke viele von uns haben sich lange etwas vorgemacht und vertuscht, versteckt, eingesteckt…. aber irgendwann ist die Kraft dafür nicht mehr da und man steht zu sich, zu seinen Defiziten, auch wenn es manchmal sehr schwer fällt. 😉
      Liebe Grüße sendet, Deine Christine

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  2. Marc

    Hallo Christine,

    Danke für ein – wie immer – interessantes Thema. Der Pizzaabend hat mir zum ersten Mal gezeigt, dass selbst bei den Herausforderungen dieser Krankheit in der richtigen Situation und mit freundschaftlicher Unterstützung 1 + 1 Körner auch mal 3 sein können.

    Ich war in den ersten Wochen meiner ReHa im Quellenhof auch oft Donnerstagabends alleine mit meinem Käsebrot im Speisesaal. War für mich eigentlich logisch: Ich hatte ja meine Körner im Laufe eines langen Therapietages bereits verschossen…

    Eines Donnerstags habe ich aber doch den Mut zusammengebracht, der Einladung zur gemeinsamen Pizza zu folgen und stand gegen 19:00 vor ein paar Duzend fröhlichen und hungrigen MSlern. Was dann folgte, war eine tolle Gruppenleistung: gemeinsam ist man durch den dunklen Kurpark gehumpelt und gerollt. Diejenigen, die besser zu Fuß waren haben die Anderen geschoben oder sonst wie unterstützt. Tempo spielte keine Rolle: der Weg war das Ziel.
    Und als auch der/die Letzte oben ankam waren Stimmung und Pizzen umso besser.

    Das Bemerkenswerteste daran war aber wie wenig ich am nächsten Tag erschöpft war. So als ob die mentale Blockade viel größer war als die körperliche. Also: manchmal hat man doch mehr Körner in der Tasche als erwartet wenn die richtigen Bedingungen da sind.

    Ich wünsche dir zukünftig noch viele leckere Pizzen in Bad Wildbad!

    Alles Gute,
    Marc

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    1. Hallo Marc,

      schön, wenn die Themen gefallen und du dich hier und dort wiedererkennst.

      Zusätzlich outet sich hier ein weiterer Quellenhoffahrer 😉 und schön, wenn du es auch so erfahren hast. In einem Punkt gebe ich dir voll und ganz RECHT.

      Bad Wildbad hat super Bedingungen und die Gemeinschaft untereinander zieht den einen oder anderen mit und man hilft sich wirklich gegenseitig. Das ist wirklich sehr schön und keiner bleibt zurück. Das schätze ich auch soooo sehr.
      Für mich ist Bad Wildbad wie eine Käseglocke für ca. 4- 6 Wochen, dort fühlt man sich total normal und man ist unter seinesgleichen.
      Und wenn man erst einmal die mentale Blockade überwunden hat, geht es wie geschnitten Brot ;-).

      Danke für deine Erfahrungen und bis bald!

      Deine Christine!

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  3. `Körner sparen´ finde ich in diesem Zusammenhang eine witzige Metapher, weil sie gut nachzuvollziehen ist.
    Wenn erlaubt möchte ich als `Nichtbetroffener´ wieder meinen Senf dazugeben, weil wir uns als Blogger schon so lange kennen.
    Mir geht`s im Wesentlichen darum, dass wir – die meisten, denk ich mal – viel zu wenig über unseren Körper wissen. Das betrifft die Ernährung und ganz besonders auch das ganze Bewegungssystem.
    Ja und wenn man seine Muskeln überfordert, hat das Auswirkungen auf das ganze System etc.pp…und wer nicht in Bewegung bleibt, hat erst recht schlechte Karten.
    Sorry, dass ich mich hier so ausbreite, aber ich finde den Dr. Wimmer (NDR3) so toll, weil der sagt: Wissen ist die beste Medizin.
    Lieben Gruß und bleib wie du bist!
    Jürgen aus Loy

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    1. Hallo Jürgen aus Loy,

      ich freue mich sehr, dass du zu dem Thema etwas zu sagen hast und es auch tust…. von wegen ausbreiten. 😉
      Ja, wir kennen alle unseren Körper viel zu wenig, achten erst auf diesen, wenn er schon angeschlagen ist. Aber so ist der Mensch…

      Die Ernährung ist natürlich auch ein sehr großes Thema, das ich noch bearbeiten muss.

      Liebe Grüße zurück, Deine Christine!

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  4. Ich nutze zum „Auftanken“ gerne das Atmen und Reiki.
    In den Pausen einen kleinen Spaziergang und achtsam sein. Auf mich achten, auf die Atmung, das Gehen, das Sehen. Bewußt abschalten … so reicht dann die Energie wieder ein Weilchen.
    Liebe Grüße
    Uwe

    Gefällt 1 Person

  5. frauenpowertrotzms

    Hallo Christine,
    solange der gefällt mir-Button da ist, drücke ich kräftig 😉
    Habe im Quellenhof auch damals meinen ersten Rolli zum üben verpasst bekommen und bin heute sehr froh darüber. Übrigens kommt Herr Schlegel zum Welt-MS-Tag zum 2. Mal nach Landau.
    Es ist gar nicht so einfach zu Beginn der Krankheit seine Kräfte einzuteilen oder um Hilfe zu bitten. Jetzt nach all den Jahren kann ich das.
    Wünsche dir einen schönen Abend ❤
    Liebe Grüße
    Caro

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    1. Hallo Caro,
      ja, immer schön drücken, ich bin gerade in der Recherche bzgl. deiner Tipps zu den neuen Bestimmungen. Vielen Dank noch einmal für den Hinweis. ❤

      Der Quellenhof ist einfach eine tolle Einrichtung für uns MS Patienten. Für mich immer die "Käseglockenzeit", da wir alle in dieser Zeit einfach ganz normal sind und man sich nicht erklären braucht. Wunderbar.
      Zusätzlich hat man die Möglichkeit Hilfsmittel auszuprobieren, Rollikurse zu machen.-

      Wir haben schon ein wenig länger MS und haben im Laufe der Jahre gelernt Hilfe anzunehmen. Ein langer Prozeß, der auch nicht von heute auf morgen zu erlernen ist….

      In diesem Sinne eine energiereiche Zeit,

      Deine Christine!

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  6. Wie wahr, liebe Christine.
    Lange Zeit war ich auch zu stolz und eitel, mittlerweile besitze ich einen kleinen Fuhrpark, vom Rollator über einen Rollstuhl bis zum Scooter, die je nach Befinden bzw. nach Gegebenheiten zum Einsatz kommen.
    Das A und O sind jedoch genügend Ruhepausen über den Tag verteilt.
    Ich bin gespannt auf deine kommenden Beiträge.
    Herzliche Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,
      ja, wir werden zu den top Planern und Hilfsmittelneinsetzer aller Zeiten…. 😉

      Ich sage immer, man wächst mit seiner Behinderung und mein Therapeut sagt dann: 5 €uro ins Phrasenschwein. 😉 Aber es ist wirklich so, anfänglich zu stolz und eitel, heute bereit um Hilfe zu bitten und anzunehmen. Darauf können wir wirklich stolz sein, denn Hilfe annehmenn will auch gelernt sein.
      In diesem Sinne viele Körner, Deine Christine

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    1. Hallo Tom,
      klar, die Tagesform und auch der Grad der Behinderung spielt eine sehr, sehr große Rolle.
      Ich für meinen Teil kann aber nur sagen, ich muss wirklich große Aktivitäten vorplanen, einplanen, recherchieren, damit ich dann weniger gestresst un mit mehr Körnern dabei sein kann.
      Herzliche Grüße, Deine Christine

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      1. Liebe Christine

        Gern geschehen denn es ist ein interessantes thema vor allem auch wenn man langsam älter wird.
        Da muss man mit den körnern auch haushalten und man braucht mehr zeit um die batterien neu zu laden.
        Darum mache ich immer mal wieder einen ruhetag wie heute 🙂
        Keine termine, keine einkäufe, keine hausarbeit einfach mal in aller ruhe die zeit geniessen und mut zur musse haben.

        Liebe grüsse, Joan

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  7. Heike

    Liebe Christine,
    das war meine erste Erfahrung in der Reha 1999!
    Im Quellenhof wird ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen körperlichen Fähigkeiten vermittelt. Dort bekam ich damals schon meinen ersten Rollstuhl angepasst. Er stand ganz lange Zeit im Keller und wurde dann aktiviert, wenn ich nicht mehr 100%ig in der Lage war teilzunehmen, am Inlineskaten mit meiner Tochter oder Spaziergänge durch Vergnügungsparks. Das hatte dann auch den Vorteil, dass man bevorzugt behandelt wurde.
    Ich mußte meinem Umfeld dann immer erklären, dass ich meine Kräfte einteilen muss undder Rollstuhl mich dabei unterstützt. !
    Heute weiß ich, daß man das seiner Umwelt auch mit einem Lächeln im Gesicht zeigen sollte. Sofort bekommt man Hilfe angeboten. Schön ist auch die Frage, wie letztens erst geschehen:“ich weiß ja, dass sie das selber schaffen, aber darf ich Ihnen bei diesem Wetter behilflich sein?“
    Dann kann ich frei entscheiden, Hilfe ja oder nein.
    Lasst Euch alle nicht unterkriegen und hört auf Eure Bedürfnisse

    Liebe Grüße in die Ferne, Deine Heike 😘♿️👍😊🌈

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    1. Liebe Heike,
      1999 … ganz schön lange her…. aber auch ich, als Quellenhoffahrerin bin froh und dankbar, gleich in die richtige Reha-Einrichtung erwischt zu haben.

      Dort macht der Rollikurs Spaß und man wird gut auf das echte Leben vorbereitet, wobei das doch noch einmal eine ganz andere Hausnummer ist.

      Dein Umfeld und auch das von vielen anderen hier kommt erst gar nicht mit der Situation klar und muss sich gewöhnen und Schritt für Schritt herangeführt werden….und auch die Krafeinteilung will gerlernt sein. Du als alter MS-Hase hast es meistens gut drauf, außer DU übertreibst es mal wieder mit dem KOCHEN 😉 ….

      Wir helfen uns zwar oft selbst, aber fremde Hilfe können wir natürlich auch sehr gut annehmen und mit einem Lächeln kann uns doch keiner etwas abschlagen, oder?
      Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen, liebe Grüße,

      Deine Christine

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  8. Ich versuche eigentlich immer, meine Energiekörner so einzuteilen, dass auch abends noch welche übrig bleiben, aber ich habe in manchen Situationen noch keine gute Strategie… Für die Arbeit geht es – da habe ich jetzt die Zeit reduziert, sieben Stunden sind noch gut schaffbar. Nur… wenn dann private Aktivitäten anstehen, wenn Dinge passieren, die Spaß machen, dann… dann sind die Körner schnell mal leer und wenn ich dann mit purem Willen weiter mache dann ist es viel zu spät und ich brauche Tage um mich zu erholen.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, so ergeht es bestimmt vielen von uns.
      Wir müssen – egal ob auf der Arbeit, oder im privaten Leben – schlussendlich reduzieren, um noch etwas zu erleben oder am Alltag teilzuhaben. Der pure Wille kann da manchmal auch zum Hindernis werden und glaube mir… ich bin auch so eine Kandidatin „ich will aber“…

      Aber nach einiger Zeit mit MS, lernt man sich mit seiner MS zu arrangieren und streicht ein paar Dinge weg, verzichtet auf etwas, übt sich in Geduld, damit man bei den für einen wichtigen Sachen mitmachen kann.

      Eine gute palnvolle Zeit mit vielen Körnern wünscht,

      Deine Christine!

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  9. Christiane

    Ich befinde mich noch in dem Prozess herauszufinden, wann meine Energiekörner verschossen sind, meistens ist es dann für viele Aktivitäten an dem Tag vorbei, daher bin ich dir sehr dankbar für diesen Beitrag. Ich bin sehr gespannt auf deine Strategien in den folgenden Blogbeiträgen.
    Liebe Grüße und ich wünsche dir immer einen gefüllten Kornspeicher;))

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    1. Liebe Christiane,

      ja, das muss jeder für sich herausfinden und austesten. Und ist gibt ja so viele Situationen im Alltag… da ist gute Planung, ein Hilfsmittel hier, eine Hilfe dort echt ratsam und auch nicht peinlich, nein, es hilft ungemein durch das MS Leben zu kommen.

      Liebe Grüße und viel Korn 😉

      Deine Christine

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    1. Guten Morgen Frank!

      Ja, das finde ich auch, denn ohne Pausen geht irgendwie gar nichts mehr…. richtig eingehalten, gut dosiert können wir dann aber auch noch am Alltag teilnehmen.
      Liebe Grüße nach Limburg.

      Deine Christine!

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